Ich bin allein. Allein in Afrika mit einer Herde Elefanten beim abendlichen Bad. Ich könnte schreien vor Freude. Davon habe ich geträumt, seit ich als Kind im Fernsehen «Daktari» sah. Ich schaue zu und kann mein Glück kaum fassen. Unsere Expertin Tina Ackermann über ihr erstes Mal als Reisebegleiterin in Zimbabwe. Ihre Rolle ist die der Fahrerin und Köchin.

Als Köchin unterwegs in Zimbabwe
Die Gäste ruhen sich nach der Pirschfahrt in ihren Lodges aus. Es ist erst kurz vor fünf Uhr und heute Abend werde ich nicht kochen, weil wir im Restaurant des Main Camps essen. So starte ich den Wagen und breche nochmals zu einer Fahrt in den Gamepark auf. Der Ranger erinnert mich, spätestens um halb sieben zurück zu sein, sonst werde er mich suchen müssen.
Ein einziges Fahrzeug steht noch am Wasserloch. Die Sonne geht bald unter. Der Himmel ist weit, orange mit violetten Wolkentürmen. Am Wasser sind vierzig bis fünfzig Elefanten versammelt. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Die Elefanten – von riesig bis winzig – stapfen durcheinander, trinken, baden, schnarren durch ihre Rüssel. Keine zwanzig Meter entfernt. Ich halte an, lasse die Fensterscheibe herunter, schalte den Motor aus. Stille. Nur das Plantschen und Schnauben der Elefanten ist zu hören.
Schreien vor Freude
Der kleine Safaribus fährt weg. Ich bin allein. Allein in Afrika mit einer Herde Elefanten beim abendlichen Bad. Ich könnte schreien vor Freude. Davon habe ich geträumt, seit ich als Kind im Fernsehen «Daktari» sah. Ich schaue zu und kann mein Glück kaum fassen. Da sind Elefantenbabies, die sich im Trinken mit dem Rüssel üben. Wenn es nicht gelingt, trinken sie unbeholfen mit dem Mund. Eine ältere Elefantenkuh mit krummen Stosszähnen und zerfetztem rechtem Ohr führt ihre Töchter zum Wasser. Im Vorbeigehen sieht sie zu mir herüber. Bin ich zu nahe am Wasserloch? Junge Bullen treffen im Sturmschritt und mit erhobenen Rüsseln ein. Familien, die getrunken und gebadet haben, ziehen gemächlich weiter, machen Platz für diejenigen, die am Ufer warten.
Haarscharf pünktlich bin ich zurück im Camp. Wo warst du, werde ich gefragt. Ganz allein sei schon ein bisschen gefährlich ... Ich verschweige, dass ich nach dem Wasserloch einen weiteren Halt eingelegt hatte, als eine Elefantenfamilie am Wagen vorbeiwanderte.

Es ist mein erstes Mal als Reisebegleiterin in Zimbabwe. Meine Rolle ist die der Fahrerin und Köchin. Wir werden zu dritt mit vier Gästen und zwei Geländewagen unterwegs sein. Urs und Pepo haben als Ärzte jahrelang in Afrika gearbeitet. Urs gilt als einer der besten Kenner des Landes, seiner Kultur, seinen Menschen. Er nennt jeden Ranger beim Namen, findet sich in Harare zurecht als wär’s sein Heimatdorf. (Anm.: Urs Allenspach und Pepo Frick sind ebenfalls Background Tours-Experten)
Zwei Tage vor den Gästen sind wir in der Hauptstadt Zimbabwes eingetroffen. Das Nonnenkloster, wo wir übernachten und wo die Ausrüstung lagert, ist ein einstöckiges Haus mit spartanisch eingerichteten Zimmern, siedend heissem Duschwasser und verbogenen Gartenstühlen aus der Zeit Rhodesiens. Unsere Gäste werden hingegen im schmucken Brontë Garden Hotel wohnen, einer Anlage in kapholländischem Baustil und einem Park mit riesigen alten Bäumen. Die Nonnen des Klosters sind derzeit nicht da, sondern auf Besuchstour bei Mitschwestern. Dafür haben der Gärtner und seine Nichte ein Auge auf uns. Täglich wird gewischt, was an violetten Blüten von den Jacarandabäumen fällt.
Erprobter Menüplan
Zur Ausrüstung gehören Schlafsäcke, Feldbetten, Benzinkanister, Moskitonetze, Thermoskannen, Kühlboxen und drei grosse schwarze Kisten für Küchenutensilien und Vorräte. Ihre Deckel schützen vor dem roten Staub, den unsere Geländewagen unterwegs aufwirbeln werden. Urs und Pepo führen die Rundreisen in Zimbabwe seit zwölf Jahren durch. Der Menüplan ist erprobt. Die Einkaufsliste ergibt sich daraus. Einen Tag lang kaufen wir Lebensmittel, Trinkwasser, südafrikanischen Cider, zimbabwisches Bier und einen türkisblauen Kuchen, dessen bizarrer Künstlichkeit Urs nicht widerstehen konnte.

Die Läden in Harare sind gut sortiert. Die eine oder andere Zutat findet sich manchmal erst im zweiten Geschäft. Weinessig scheint es nicht zu geben, dafür ist weisser Balsamico erhältlich. Eine Knoblauchpresse finden wir nirgends. In den privaten Gameparks werden die Gäste bewirtet. In den Lodges der Nationalparks von Zimbabwe müssen Reisende ihre Vorräte mitbringen und selbst kochen. Für unsere Gäste werden wir das übernehmen.
In den Lodges stehen Küchen zur Verfügung, typischerweise ausgestattet mit Gasherd, Kühlschrank, einem Sammelsurium an Kochtöpfen und Geschirr. Wir führen daher eigene Küchenutensilien mit. Neben dem neu angeschafften Toaster sind das French Press-Kaffeekrüge, scharfe Messer, Plastikgläser und so einiges mehr.
Toastscheiben über offenen Herdflammen rösten
In den Lodges servieren wir englisches Frühstück und einen von Pepo in meditativer Geduldsarbeit fein geschnittenen Fruchtsalat, aromatischen zimbabwischen Kaffee, Müsli und Joghurt. Vor der Zeit des Toasters, erklären mir meine Kollegen, hätten sie die Toastscheiben über offenen Herdflammen geröstet. Da die Lodges meist über Feuerstellen vor dem Haus verfügen, kaufen wir Fleisch zum Grillieren und Zutaten für Kräuterbutter und Dips. Tomaten werden wir bei den Frauen und Männern beziehen, die entlang unserer Route Strassenstände betreiben. Bei ihnen gibt es auch selbstgezogene Zwiebeln, Knoblauch, Kartoffeln und Früchte.

Am Tag vor der Tour werfe ich einen Blick in die schwarzen Küchenkisten. Ich mache mich ans Putzen und verstaue Lebensmittel und Getränke in der einen und Küchengeräte in den anderen Kisten. Urs bedankt sich amüsiert und sortiert tetrismässig um. Nicht Logik sei die Maxime, sondern Fixierung. Frühstücksmüslitüten dienen als Polster zwischen Krügen. Ersatzlampen werden neben Flaschen und Nudelpackungen verkeilt. Immerhin bekomme ich grünes Licht für meinen Vorschlag, Raffeln, Dosenöffner, Messer, Kellen und Tranchiergabeln aus einem dunklen Sack in eine durchsichtige Schachtel umzulagern.
Eier vom Mobiltelefonanbieter
Der Zustand der Strassen in Zimbabwe ist schlecht. Manchmal sind Schlaglöcher mit Erde gefüllt. Meistens aber nicht. Sie sind gross wie Kinderbadewannen, liegen eng beieinander und fordern die Stossdämpfer der Geländewagen. «You can’t avoid them all.», heisst es zum Trost, wenn man dem einen, aber nicht allen anderen Schlaglöchern ausweichen konnte. Das Auspolstern der Küchenkisten macht also Sinn. Trotzdem zerbricht auf der ersten Etappe die Hälfte der Eier. Die ausgelaufene Eimasse hat Flaschen und Dosen in der Kühlbox verschmiert. Auf der Suche nach neuen Eiern klappern wir in Masvingo zwei Läden ab und werden erst beim Mobiltelefonanbieter fündig.
Bald kenne ich den Inhalt jeder Küchenkiste auswendig, weiss, wo das Glas Oliven für den Apéro in einer Papierrolle steckt, wo Beutel mit gemahlenem Kaffee die Bratpfannen fixieren, wo Gurken die Thunfischdosen stützen. Unsere Mittagessen bestehen meist aus frischen Salaten, kaltem Fleisch, Käse und Brot. Abends kochen wir landesuntypische Spaghetti Bolognese und Chili con carne; beliebt bei den Gästen und notfalls mit nur einem Kochtopf zubereitbar.
Ein rundes Tiergesicht in der Dunkelheit
Sollte ein Gasherd ausfallen und es keinen Strom geben, weichen wir auf die Grillstellen vor den Lodges aus. Urs und Pepo, scheint mir, warten nur darauf. Ein grosses Feuer, sprühende Funken, die gewaltige Sonne, die vom afrikanischen Abendhimmel sinkt und ein Kochtopf, in dem es brodelt – perfekt!
Als wir eines Abends nach dem Essen vor der Lodge sitzen, taucht plötzlich ein rundes Tiergesicht aus der Dunkelheit auf und ich überlege gebannt, ob es eine Löwin sein könnte. Es ist eine Hyäne, die vom Geruch des Fleisches angezogen wurde. Als sie den Lichtkreis erreicht, verharrt sie kurz, dreht ab. Ich komme nicht einmal dazu, die anderen zu warnen.
Sundowner als Fixpunkt
Eine kulinarische Überraschung unserer Reise sind die lauwarmen Zwiebel- und Apfelwähen, welche es in der Missionsstation in Driefontein zum Nachtessen gibt. Gekocht von einheimischen Köchinnen nach Schweizer Rezept an einem fleischlosen Freitag. Vor dem Essen habe ich mit Priester Tony, einem Immenseer Bethlehem Missionar, ein Bier geteilt. Der Sundowner gehört als einer der fünf Fixpunkte in den zeitlich streng geregelten Alltag der Missionare, die als nun betagte Männer seit Jahrzehnten in Zimbabwe leben und sich eine Rückkehr in die Schweiz – zum Sterben – nicht vorstellen können und wollen.
Tony beliefere ich seit meinem ersten Besuch in Driefontein mit Lesestoff. Zuerst war es Schweizer Literatur von Capus bis Lewinsky, inzwischen sind es Krimis. Er mag’s spannend. Ich versuche Krimis zu finden, die in der Schweiz, am besten in der Innerschweiz handeln, wo Tony aufgewachsen ist. Er liest in Rekordtempo und übermittelt per WhatsApp seine Literaturkritik: «Warrrr gut, danke. Liebe Grüüüess». Kürze und Rechtschreibung führe ich auf seine Parkinsonerkrankung zurück.
Nächste Reise mit landestypischeren Gerichten?
Nach drei Wochen mit vielen Erlebnissen, Eindrücken und Kochen in zimbabwischen Lodges neigt sich die Tour dem Ende zu. Wir sind mit den Gegebenheiten und unseren Küchenkisten gut klargekommen, haben hier und da improvisiert. Ich nehme mir vor, auf der nächsten Reise die Zubereitung landestypischer Gerichte zu wagen. Den weissen Maisbrei Sadza überlasse ich einheimischen Köch*innen. Aber wie wäre es mit Ziegeneintopf?
Nach Zimbabwe mit Tina, Urs und Pepo
Zimbabwe ist vom Tourismus noch weitgehend unentdeckt – ein vielfältiges, ursprüngliches Reiseland für Individualisten, Neugierige, Abenteuerlustige. Mit seinen landschaftlichen Phänomenen, seinen offenen, charmanten Menschen und den verschiedenen Gameparks, wo es mehr wildlebende Tiere als Safarifahrzeuge zu sehen gibt, ist Zimbabwe eine Entdeckungsreise wert.
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