Landschaft in der Provinz Tigray

Vielfältiges Horn von Afrika

von Stefan Cotting

Kaum ein anderes Gebiet der Welt vermag den Besucher so sehr in seinen Bann zu ziehen wie das Horn von Afrika. Beeindruckende Gebirgswelten stehen im Kontrast zu kargen Wüstenlandschaften und einer Jahrmillionen alten Kultur mit historisch bedeutenden Funden. So wurde eines der ältesten und relativ gut erhaltenen Skelette namens „Lucy“ gefunden, das circa 3,2 Millionen Jahre alt sein soll.

Das Skelett wurde am 30. November 1974 im äthiopisch-dschibutischen Grenzgebiet in der Danakil-Senke entdeckt. Zuerst wurden ein Fragment eines menschlichen Armes und kurz danach die Rückseite eines kleinen Schädels ausgegraben. Zu Beginn wurde dem Fund keine grosse Bedeutung beigemessen, da es sich nicht um die einzigen Knochenfunde in dieser Region handelte. Erst nach der Entdeckung weiterer Knochenfragmente die zu „Lucy“ gehörten und deren Altersbestimmung wurde den Paläoanthropologen klar, welch ungewöhnlichen Fund sie gemacht haben. Dies führte dazu, dass die unwirtliche Danakil-Senke auch als Wiege der Menschheit bezeichnet wird.
Während Wissenschaftler das Skelett katalogisierten wurde mehrmals der Beatles Song „Lucy in the sky with diamonds“ abgespielt, somit war auch gleich klar wie die alte Dame von nun an genannt werden sollte. „Lucy“ wurde bis 2009 in Houston im Museum of Natural Science ausgestellt dann jedoch wegen geringer Nachfrage eingelagert und ist seither nicht mehr der Öffentlichkeit zugänglich.

Auf der dschibutischen Seite der Danakil-Senke befindet sich der Assalsee, der mit 35% den weltweit höchsten Salzgehalt eines Gewässers aufweist und mit 155 Metern unter Meer der tiefst gelegene Punkt Afrikas bildet. Am Ostufer schimmert das kristallisierte Salz in schneeweissen und schwefelgelben Farben, welches früher von den Afar-Nomaden abgetragen und an die vorbeiziehenden Salzkarawanen, die ins abessinische Hochland zogen, verkauft wurde. Drei Fahrstunden vom Assalsee entfernt, bildet der Abbésee mit seinen bis zu 50 Meter hohen Kalksteinkegeln eine bizarre Landschaft. Diese sind aus Ablagerungen heisser Thermalquellen unter Wasser entstanden. Die mondähnliche und sehr einnehmende Gegend diente dem Film „Planet der Affen“ und anderen Science Fiction Filmen als surreale Kulisse. Das Gebiet der Danakil-Senke gilt als eine der heissesten, unwirklichsten und unzugänglichsten Gegenden der Erde und wird vorzugsweise im weniger heissen Winterhalbjahr – bei Temperaturen um 40 Grad – besucht.
Nur etwa 100 Kilometer Luftlinie entfernt bietet sich von Oktober bis Februar in den Gewässern der grandiosen Bay de Tadjoura im kleinen Land Dschibuti ein Spektakel das seinesgleichen sucht: Nirgends

»Nirgends versammeln sich alljährlich so viele junge Walhaie wie hier.«

versammeln sich alljährlich so viele junge Walhaie wie hier. Trotzdem pilgern nur wenige Taucher zu den grössten Fischen der Welt - sie müssen die Riffe mit Militärs teilen, die von hier aus zur Piratenjagd aufbrechen. Der Walhai ist zwar die grösste Haiart aber als Planktonfresser für den Menschen absolut ungefährlich. Das bisher längste gemessene Individuum war knapp 14 Meter lang, Berichten nach wurden jedoch Exemplare bis zu 20 Metern Länge gesichtet. 

Walhaie können ein Gewicht von über 20 Tonnen erreichen und ernähren sich hauptsächlich von Plankton und anderen Kleinstlebewesen, die sie durch Ansaugen des Wassers filtrieren. Als Filtrierer hat der Walhai einen mächtigen Mund, der bis zu 1,5 Meter breit sein kann und mit 300 bis 350 Reihen winziger Zähne ausgestattet ist. Zudem verfügt der Gigant der Weltmeere über fünf grosse Paare von Kiemen. Die Walhaie durchstreifen die Gewässer Dschibutis auf ihrer Wanderung entlang der ostafrikanischen Küste im planktonreichen Winterhalbjahr bis sie dann im Februar wieder Richtung Mosambik weiter ziehen.

Als grosser Kontrast demgegenüber steht das nordäthiopische Hochland mit dem Simien Mountain Nationalpark (UNESCO-Weltnaturerbe) mit seiner eindrucksvollen Berglandschaft. Der Park umfasst Höhenlagen von 1.900 bis 4.500 Meter wobei der Ras Daschen mit 4533 Metern der höchste Berg Äthiopiens ist. In diesen Höhenlagen fallen die Temperaturen in der Nacht weit unter den Gefrierpunkt. Der Park wurde vor allem zum Schutz verschiedener gefährdeter Tierarten, wie zum Beispiel dem Äthiopischen Steinbock, dem Äthiopischen Wolf und dem Blutbrustpavian gegründet.

 

Die Dscheladas, wie die Paviane auch genannt werden, können in Rudeln von bis zu 100 Tieren angetroffen werden und es macht einfach nur Spass dem Treiben zu zusehen. Da werden Affenkinder von ihren Eltern gelaust, Männchen streiten sich Zähne fletschend um Nüsse oder Babies machen ihre ersten Kletterversuche. Neben dem furchteinflössenden Gebiss ist der rote, haarlose Fleck auf der Brust ein weiteres sehr auffälliges Merkmal der Dscheladas. Bei den Männchen ist dieser während der Brunftzeit knallrot und macht zusammen mit der grossen Mähne deren Erscheinung noch eindrücklicher. Der grösste Feind der Dscheladas ist der Mensch, der trotz des Nationalparkes immer mehr den Lebensraum der Paviane einnimmt und diese für schlechte Ernten verantwortlich macht.

Im Nordosten Äthiopiens befinden sich in den Regionen Lalibela und Tigray weit über hundert Felsenkirchen über deren Entstehungsgeschichte man noch im Dunkeln tappt. Bekannt ist einzig, dass diese aus dem neunten Jahrhundert stammen müssen und in den Fels - zum Teil an den unzugänglichsten Orten - gehauen sind. Viele Felsenkirchen in der auch landschaftlich spektakulären Tigray-Region sind nur durch schwindelerregende Aufstiege im Kletterstil zu besuchen. Die Kirche Abuna Yemata Guh ist aufgrund ihrer Lage wohl die spektakulärste Felsenkirche von Tigray. Sie thront hoch oben auf einem schmalen Felsvorsprung und der Aufstieg ist entsprechend schwierig. Die Einheimischen und Priester machen es vor und klettern ohne Schuhe die Felswand hoch um mit den Zehenspitzen in den engen Felsspalten Halt zu finden. Mit den Händen hievt man denn Körper hoch um mit den Zehen neuen Halt zu finden. Nach dem mühevollen, halbstündigen Kletteraufstieg folgt am Ende eine sehr enge Passage über einem 200 Meter tiefen Abgrund einer Felswand entlang. Wahrlich kein Kirchgang für jedermann…
Die Felsenkirchen von Lalibela sind an weniger spektakulären Orten vorzufinden, dafür sind diese zugänglicher und häufiger besucht.

Paviane


Lalibela ist weltweit bekannt für die monolithischen elf Kirchen, die - überwiegend mehrgeschossig - in rote Basaltlava gemeisselt sind. Die Kirchen entstanden im zwölften Jahrhundert nach dem Zusammenbruch des Reichs von Aksum und man nimmt an, dass insgesamt 100 Jahre an der Anlage gebaut wurde. Diese Gebäude zählen heute zu den grössten von Menschen geschaffenen monolithischen Strukturen der Welt. In dieser Zeit blühte der christliche Glaube in Äthiopien und die Kirchen werden auch als Symbol für die enge Verbundenheit der äthiopischen Christen mit dem Heiligen Land verstanden. Heute zählen Lalibelas Kirchen zum Weltkulturerbe der UNESCO. Lalibela ist noch heute ein wichtiger Wallfahrtsort für äthiopisch-orthodoxe Christen und einer von vielen Höhepunkten einer Reise ans Horn von Afrika.

STEFAN COTTING (44) ist seit seinem 25-sten Lebensjahr im Tourismus tätig. Während rund 10 Jahren arbeitete er als Reiseberater bei Globetrotter Travel Service und leitete für Globotrek zahlreiche Gruppenreisen. Es folgten 3 ½ Jahre als Geschäftsreisespezialist in der Bundesreisezentrale Bern, wo er Reisen für humanitäre Einsätze der DEZA und Geschäftsreisen von Bundesangestellten inklusive Bundesräte organisierte. Als Mitglied des Katastropheneinsatzpools des EDA leistete er kurz nach der Katastrophe von Fukushima einen Einsatz auf der Schweizer Botschaft in Tokio und koordinierte die Repatriierung von ausreisewilligen Schweizer Bürgern. Seit Juni 2012 ist er frei schaffender Reiseleiter für zahlreiche Schweizer Firmen im In- und Ausland und steht auch als privater Reiseleiter zur Verfügung. Um seiner Leidenschaft - dem Reisen - gerecht zu werden, plant Stefan Cotting immer mindestens 2 Monate pro Jahr ein und hat bis heute 150 Länder auf allen sechs Kontinenten bereist. Auch Reisen in Krisenregionen wie in den kurdischen Norden des Iraks, den landschaftlich einmaligen Jemen oder in das kriegsversehrte Afghanistan gehören seit ein paar Jahren zu seinen Reisezielen.



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