Mehr Platz für die Grossen – in Zürich, aber auch in der freien Wildbahn?

von Martin Bucher

Mit dem Slogan „Mehr Platz für die Grossen„ lancierte der Zoo Zürich vor einigen Jahren eine Spendenaktion für den neuen Elefantenpark „Kaeng Krachan„, welcher am 7. Juni 2014 seine Tore öffnete. Sehr bald hatte sich die Zürcher Elefantengruppe mit den neuen flächenmässig verbesserten Räumlichkeiten vertraut gemacht. Heute werden die Tiere durch verschiedene Verhaltensanreicherungen, wie zum Beispiel die der Futtersuche, laufend beschäftigt. Mehr als 20 zum Teil computergesteuerte Futterautomaten sind in den verschiedenen Anlagen in Betrieb. Bewusst sind diese auf einer nicht immer komfortablen „Elefantenhöhe“ installiert, dadurch sind die Tiere fitter und agiler geworden. Es freut uns, dass die Grossen von dieser Qualitätsverbesserung im „Kaeng Krachan“, dem neuen Elefantenpark im Zoo Zürich profitieren können.

Im Rahmen seiner Naturschutzstrategie unterstützt der Zoo Zürich weltweit sechs Projekte. Eines davon liegt im Norden von Kenia, in der Region um den Mount Kenya. Diese ist als UNESCO Welterbe und bedeutende Landschaft für Tiere und Pflanzen bekannt.

Entgegen den Vorstellungen in unserer Gesellschaft, sind dort die Platzverhältnisse für Wildtiere längst nicht mehr so grosszügig, wie wir das aus alten Filmen her kennen oder wir es noch in der Schule gelernt haben: diese Lebensräume sind durch die Ausdehnung der menschlichen Siedlungen drastisch geschrumpft. Die Konkurrenz um Raum in dieser fruchtbaren Gegend löst regelmässig Konflikte aus. Die Bevölkerungsdichte ist gross, plötzlich hat das riesige Afrika ein Platzproblem. Die Wut des Bauern ist verständlich, wenn Elefanten innerhalb von wenigen Minuten ihre Existenz zerstören oder wenn der Leopard sich bei den Hausziegen bedient. In solchen Momenten muss die Regierung handeln, denn die Wildtiere sind „Eigentum“ des Staates. Mit einem bescheidenen Budget arbeitet der „Kenya Wildlife Service“ in diesem riesigen Land zum Wohl der Wildtiere.

Im Norden Kenias sind hervorragende Naturschutz-Stiftungen und auch private Reservate im Wildtiermanagement tätig. Sie leisten enormes für die Erhaltung von Arten und Lebensraum. Zusammen mit der Regierung werden Strategien zum Wildtierschutz erarbeitet. Internationale Kontakte helfen die nötigen Mittel zu finden. Hier beteiligt sich auch der Zoo Zürich: er finanziert ein Zaunprojekt am Mount Kenya. Dieses sieht den Bau von sogenannten Elefantenkorridoren und  Tierumsiedlungsaktionen, auch für das bedrohte Spitzmaulnashorn, vor.

»In den nächsten Jahren wird eine riesige Fläche, ca. 1000 km2 rund um den Mount Kenya eingezäunt.«

In den nächsten Jahren wird eine riesige Fläche, ca. 1000 km2, etwa die Grösse des Kantons Uri, rund um den Mount Kenya eingezäunt. Gegen Norden sind die sogenannten Korridore, welche die Lebensräume der „Grössten“, der Elefanten, miteinander verbindet, bereits erstellt. So können sie „problemloser“ ihre saisonalen Wanderungen durchführen und werden neu durch Unterführungen um Plantagen und Schnellstrassen in Richtung Norden „geschleust“.

Nicht alle Elefanten finden sich in diesen neuen Grenzen zurecht. Einzelne dominante Bullen fallen auf, sie haben gelernt die Elektrozäune mit ihren Stosszähnen zu bearbeiten und so quasi „unter dem Zaun hinweg zu fressen“. Bei solchem Verhalten ist die Toleranz der Wildhüter und Behörden klein. Ein Team aus Wildhütern, Tierärzten und Helfern lokalisiert den betreffenden Elefantenbullen. Vom Helikopter aus wird das Tier von einem Tierarzt narkotisiert. Dem schlafenden Elefanten werden die Stosszähne – sie wachsen ein Leben lang weiter eingekürzt, damit verliert der Bulle sein Werkzeug zum Zerstören der Elektrozäune.

In der Regel reicht ein solcher einmaliger Eingriff. Wenn nicht erfolgt Plan B. Dieser bedeutet Koffer packen! Die Verantwortlichen planen in diesem Fall die Umsiedlung des Elefanten in eine Region wo Mensch-Tier-Konflikte seltener sind. Sollte es auch dort zu schwerwiegenden Zwischenfällen zwischen Mensch und Tier kommen, würde der Elefantenbulle von Wildhütern abgeschossen.

Im Zusammenhang einer Dienstreise nach Kenia hatte ich die Möglichkeit einer „Elephant Trans Location“ beizuwohnen und hautnah zu sehen, wie eine solche abläuft. Mit grossen Motoren wird das narkotisierte auf den bereitstehenden Lastwagen geladen, gesichert und zur Transportkiste gefahren. Dort angekommen, wird der Koloss auf eine Rollmatte geladen und in die Transportkiste gezogen. Jetzt setzt der Tierarzt die Aufwachspritze. Innerhalb von Sekunden richtet sich der erregte Elefant auf.

Persönlich war ich beeindruckt wie reibungslos und ruhig diese Aktionen im Gelände umgesetzt wurden. Moderne Infrastruktur wie geschultes Personal waren die Trümpfe, welche in dieser eindrücklichen Aktion gestochen haben. Ein weiterer Trumpf, welcher spielberechtigt ist, ist der Vergleich dieses Beispiels aus dem Lebensraum der Elefanten am Mount Kenya mit dem eines modernen Zoos. Im Zoo Zürich werden die Tiergehege laufend vergrössert und so für Tier und Mensch attraktiver gestaltet. Wo immer möglich werden Gemeinschaftshaltungen angestrebt. Grenzen wie Elektro-Zäune oder als Schranken angelegte Wasserbereiche sind für unsere Anlagen typisch. Hier, wie in Kenia, arbeiten Spezialisten zum Wohl der Tiere. Da ich beide Situationen aus Erfahrung gut kenne, spiele ich diese Karte bewusst aus und weiss, dass der Vergleich richtig ist.

 

PS: Die beiden umgesiedelten Elefantenbullen verhalten sich übrigens unauffällig in der neuen Region vom Meru National Park.

Lewa Wildlife Conservancy ist ein 170 Quadratkilometer grosses privates Reservat im Norden Kenias. Im Reservat leben neben den äusserst bedrohten Spitzmaulnashörnern auch Breitmaulnashörner, Afrikanische Elefanten, 20% des weltweiten Bestandes des Grevy-Zebras und verschiedene Antilopenarten. Lewa Wildlife Conservancy arbeitet eng mit der Kenianischen Naturschutzbehörde und den umliegenden privaten Reservaten zusammen.  Heute ist Lewa Wildlife Conservancy zum grössten Arbeitgeber im Norden von Kenia geworden, betreibt mehrere Schulen und eine Klinik für die lokale Bevölkerung. Der Zoo Zürich finanziert die Löhne der Nashornüberwachungs- Teams von Lewa Wildlife Conservancy. Der Zoo Zürich unterstützt zudem die Forschung in Lewa Downs. www.lewa.org

 

«Lewa - a place for Rhinos in Kenia»

Reise in einer Kleingruppe mit

Martin Bucher


Reisedatum
Montag, 21. September bis
Samstag, 3. Oktober 2015


Der Aufenthalt in Lewa bildet den Höhepunkt dieser untypischen Safari mit Martin Bucher. Die Reise vermittelt Einblicke in die Arbeit der Tierschützer. Daneben kommen Wildtierbeobachtungen in traumhaft schöner Landschaft nicht zu kurz.

 

Alle Infos zur Reise finden Sie auf dieser Homepage bei unseren Studienreisen.