Jerash Amphitheater

Jordanien - VOM KREUZWEG DER VÖLKER ZUM HASCHEMITISCHEN KÖNIGREICH

von Heiner Walther

Eine Kollegin, die unlängst in Jordanien weilte, und der ich die Frage stellte, wie es denn vor Ort aussieht – man denkt ja immer noch an den „Arabischen Frühling“ des vergangenen Jahres – meinte nur kurz: „Alles paletti!“ Natürlich haben auch die Jordanier demonstriert, aber in Massen und nie gegen den König und die Monarchie gerichtet. Vor allem die Korruption wollten sie eingedämmt wissen, was allerdings ein schweres Unterfangen ist, nicht nur in Jordanien. Aber immerhin: Minister wurden daraufhin ausgewechselt und versprochen, Reformen einzuleiten. Touristisch gesehen ist die Anziehungskraft des Landes nach wie vor ungebrochen. Das ist gut und wichtig für die Wirtschaft des Landes, denn der Tourismus macht fast 10% des BIP aus und ist zugleich eine immens wichtige Devisenquelle.

Obwohl Jordanien, genauer gesagt das Haschemitische Königreich Jordanien, in seinen heutigen Grenzen relativ jung ist, weist es dennoch eine lange Historie auf. Die ist (fast) allerorts sichtbar und äussert sich in beeindruckenden archäologischen Stätten, quer durch alle Zeiten.
Reisen beginnen meist in der Hauptstadt Amman, die auf Besucher eher einen modernen, westlichen Eindruck macht, letztlich auch eine Folge des langjährigen libanesischen Bürgerkrieges 1975 bis 1989, als Beirut seine wirtschaftliche Attraktivität an Amman verlor. Banken, Hotels bekannter westlicher Ketten, Shopping Malls und auch Fast-Food-Restaurants sind auffällig im Stadtbild. Dazu ein dichter Autoverkehr auf innerstädtischen Highways, die für den wachsenden Verkehr kaum noch ausreichen. Doch, wer die Vergangenheit sucht, der findet sie, auf und um den Zitadellenhügel im Herzen der Altstadt: 10.000 Jahre Geschichte auf wenigen Quadratkilometern, die eher jüngere als freigelegte Ruinen aus römischer, byzantinischer und islamischer Zeit, die ältere im Nationalmuseum an gleicher Stelle. Zudem ermöglicht die Anhöhe besten Blick auf die pulsierende Hauptstadt, die sich heute schon über neunzehn Hügel ausgebreitet hat.
In welche Richtung wir Amman auch verlassen, die Entfernungen zu den nächsten archäologischen Highlights sind nie weit. Östlich der Stadt trifft man bald auf drei in omayyadischer Zeit erbaute oder baulich veränderte Wüstenschlösser, deren Besuch sich sehr lohnt, weisen sie doch eine interessante Architektur auf: Qusair Amra, Qasr al-Azraq und Qasr Haraneh.

Ersteres besticht durch seine ungewöhnliche Wand- und Deckenbemalung, weshalb es auch in die Weltkulturerbeliste aufgenommen wurde. Im zweiten, das eigentlich schon unter den Römern als Grenzfeste errichtet worden war, hatte sich im Winter 1917/18 kurzzeitig der berühmte Lawrence von Arabien einquartiert. In keinem Reiseprogramm sollte Gerasa fehlen, nur 50 km nördlich von Amman gelegen. Gerasa oder

»Das Highlight einer jeden Jordanientour ist natürlich Petra.«

Jerash, wie es heute heisst, liegt inmitten einer reizvollen Hügellandschaft und gilt als das besterhaltene Beispiel einer römischen Provinzstadt im Nahen Osten. Stundenlang können die Besucher über prachtvolle Säulenstrassen flanieren, vorbei an gigantomanischen Tempelanlagen, Theatern und frühbyzantinischen Kirchen mit einzigartigen Mosaiken. Südlich von Amman empfiehlt es sich, den Berg Nebo und das nahe Madaba aufzusuchen, beides Orte, die Teil der christlichen Tradition Jordaniens sind. Laut Bibel soll Moses vom Berg Nebo in das Gelobte Land geschaut haben. Bei guter Sicht sind von hier aus zumindest das nördliche Ende des Toten Meeres und das Jordantal deutlich erkennbar. In dieser Umgebung lassen sich noch viele Kirchen mit faszinierenden Bodenmosaiken finden. Darunter eben auch die berühmte Palästinakarte in der Sankt-Georgs-Kirche von Madaba. Wer den Spuren der Geschichte in den Süden weiter folgen will, sollte den so genannten Königsweg benutzen, eine wichtige, schon vor 4000 Jahren bekannte Handelsverbindung zum Roten Meer. Heute ist sie eine gut ausgebaute Asphaltstrasse. Schon aus der Ferne wird ein neuer Höhepunkt sichtbar, die Kreuzritterfestung von Kerak. Sie erhebt sich majestätisch über dem gleichnamigen heutigen Ort. Architektonisch eine Mischung aus europäischem, byzantinischem und arabischem Stil, ist sie in ihrer Fläche die grösste Jordaniens. Das Highlight einer jeden Jordanientour ist natürlich Petra. Die einstige Nabatäerhauptstadt liegt, strategisch wohl bedacht, tief in einer Felslandschaft.

Faszinierend ist allerdings weniger die Lage, als vielmehr die Vielzahl der sorgfältig direkt aus dem rötlichen Sandstein gehauenen monumentalen Grabfassaden. Als einzigartiges Kulturdenkmal, in dem Architektur und Landschaft miteinander zu verschmelzen scheinen, wurde Petra 1985 UNESCO-Weltkulturerbe. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass ein Schweizer Orientreisender namens Johann Ludwig Burckhardt Petra 1812 für Europa neu entdeckte. Um den Reiz des Ortes geniessen zu können, sollte man sich wenigstens zwei Tage Zeit nehmen. Übrigens, komfortable Hotels (und das nicht nur hier) sorgen für das leibliche Wohl der Besucher nach ihren anstrengenden Fussmärschen durch die nabatäische Geschichte. Unsere Reise wäre ohne einen Abstecher in das Wadi Rum, und damit in den Bilderbuchteil der jordanischen Wüste, nicht komplett. Schliesslich ist es hinlänglich bekannt aus der begeisternden Beschreibung seitens des uns bereits bekannten Lawrence von Arabien. Sehenswert ist auch Aqaba, Jordaniens einzige Hafenstadt am Roten Meer. Viele Reisende nutzen diese Region gern zur Erholung, denn inzwischen reiht sich ein Luxushotel an das andere. Und nicht nur das, von hier aus besteht die Möglichkeit des Rückflugs nach Europa – oder aber man verschiebt das Relaxen einige Kilometer weiter nördlich an das Tote Meer, das via Wadi Araba schnell erreicht wird. Nach Amman ist es dann nur noch ein kurzer Weg. Last but not least: Was wäre Jordanien ohne seine vorzügliche Küche und seinen guten Wein? Doch all das sollten Sie selbst ausprobieren – auf unseren Jordanienreisen!

Petra

Vom 23. Oktober 2012 bis zum 17. März 2013 präsentierte das Antikenmuseum Basel gemeinsam mit dem Department of Antiquities of Jordan und dem Jordan Museum die Ausstellung

PETRA.
WUNDER IN DER WÜSTE.

Auf den Spuren von J.L. Burckhardt alias Scheich Ibrahim.

Vor genau zweihundert Jahren entdeckte der Basler Johann Ludwig Burckhardt alias Scheich Ibrahim die jordanische Wüstenstadt Petra, die im Westen lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Der Schweizer Abenteurer legte damit den Grundstein für die Erforschung der mysteriösen Stadt, die heute zum UNESCO-Welterbe gehört.

Petra war die Hauptstadt der Nabatäer, eines antiken Nomadenvolks, das vor über 2000 Jahren sesshaft wurde und mitten in der Wüste eine blühende Stadt mit eindrücklicher Architektur und einem genialen Wasserleitungssystem baute. Die Ausstellung präsentierte die Ergebnisse der neusten archäologischen Forschungen in Petra, an denen auch Schweizer beteiligt sind. Viele Originalwerke aus Jordanien, Computeranimationen und Modelle zeigten, woher die Nabatäer kamen, wie sie reich wurden und welche Götter sie verehrten. Die Besucher erfuhren, wie die Nabatäer es schafften, in einer so unwirtlichen Gegend eine ganze Stadt mit gigantischen Bauten zu errichten und zu bewässern - in einem Gebiet, das heute zu den wasserärmsten der Welt zählt. Die Ausstellung zeigte auch wunderbare Kunst aus Petra: Neben bekannten Werken im griechisch-römischen Stil beeindruckten auch abstrakte Formen.



Antikenmuseum Basel
St. Alban-Graben 5
CH-4010 Basel
www.antikenmuseumbasel.ch