Elefantenherde unterwegs

Camping in der Kalahari, Wanderung im Okavango-Delta

Von Erich Gysling

Für sein Bild eines Spitzmaulnashorns in der afrikanischen Steppe erhielt Fotojournalist Brent Stirton vom Naturhistorischen Museum in London die renommierte Auszeichnung als Naturfotograf des Jahres 2017. Es ist ein Bild, das den Blick bannt, mit grosser symbolischer Kraft – leider. Denn statt eines© zufrieden weidenden oder majestätisch galoppierenden Nashorns in der erhebenden Weite einer afrikanischen Savanne, zeigt es den gefallenen Körper eines der letzten Tiere dieser Art. Getötet von Menschen, seines Nasenhorns beraubt. Das Bild sei symbolisch für eines der verschwenderischsten, grausamsten und unnötigsten Verbrechen an der Natur, schrieb die Jury zur Fotografie.

Die Uhr steht auf fünf vor zwölf 
Seit 1996 listet die Weltnaturschutzunion IUCN das Spitzmaulnashorn auf der höchsten Gefährdungsstufe ihrer Roten Liste – so, wie leider immer mehr andere Tierarten auch. Gemäss dem Living Planet Report sind die weltweiten Wildtierbestände seit 1970 im Mittel um fast 60 Prozent eingebrochen. Gründe dafür sind neben der Übernutzung der Tiere durch den Menschen – im Falle des Nashorns etwa in Form der illegalen Wilderei – die Verschlechterung und der Verlust ihrer natürlichen Lebensräume, die Umweltverschmutzung, der Klimawandel sowie invasive Arten und Krankheiten. 

Sollen wildlebende Nashörner, Giraffen, Zebras und Löwen in den wunderbaren Savannenlandschaften Afrikas nicht in wenigen Jahren ein Bild der Vergangenheit sein, dann müssen wir heute handeln. Wir müssen uns aktiv für den Schutz der Tiere und die Erhaltung ihrer Lebensräume einsetzen.

Schützen, was man liebt 
Wer selber schon das Glück hatte, Afrika zu bereisen und Natur und Tiere des Kontinents zu erleben,

der weiss, wofür er sich einsetzt und was für ein Verlust sonst droht. Doch nicht alle Menschen können nach Kenia, Namibia oder Südafrika reisen. Diesen Menschen will der Zoo Zürich mit einer Miniaturversion der kenianischen Savanne den Zugang zu Nashorn, Giraffe und Zebra ermöglichen. Denn wie es der senegalesische Umweltschützer Baba Dioum sagt: «Letztlich werden wir nur das erhalten, was wir lieben; wir werden nur das lieben, was wir verstehen und wir werden nur das verstehen, was man uns beigebracht hat». 

«Letztlich werden wir nur das erhalten, was wir lieben; wir werden nur das lieben, was wir verstehen und wir werden nur das verstehen, was man uns beigebracht hat.»

Die Lewa Savanne im Zoo Zürich soll 2020 eröffnet werden. Sie ist benannt nach dem Lewa Wildlife Conservancy in Kenia. Der Zoo unterstützt das Reservat seit 1998. Er leistet wesentliche Beiträge an Ausrüstung und Löhne der Wildhüter, unterstützt Projekte zur Minderung des Mensch-Wildtier-Konfliktes, etwa mit der Schaffung von Wildtierkorridoren, und finanziert mit Stiftungsgeldern Umsiedlungen von Spitzmaulnashörnern in neue Schutzgebiete. Der Fonds für die Unterstützung dieses und weiterer Naturschutzprojekte wird gespeist durch Spenden und durch zwei Prozent des jährlichen Umsatzes aller Restaurants und Shops im Zoo Zürich.

Botschafter ihrer wilden Artgenossen 
Herausragendes Merkmal der über vier Hektar grossen «Zürcher» Lewa Savanne sind die grosszügigen Freiflächen samt

Wasserloch für Giraffen, Nashörner, Zebras, Antilopen und Strausse. Die Tiere werden die Aussenanlagen gemeinsam bewohnen. Die künftigen Savannenbewohner – neben den erwähnten Arten auch Erdmännchen, Graupapageien, Hyänen, Stachelschweine und Dahomeyrinder – stammen aus den koordinierten Zuchtprogrammen der europäischen Zoos, werden also nicht der Wildnis entnommen. 

Die Besucher betreten die Lewa Savanne durch ein afrikanisch gestaltetes Eingangstor. Der Hauptweg führt zunächst durch eine Voliere mit Graupapageien und dann weiter in das Lewa Giraffenhaus zur ersten Begegnung mit den hochbeinigen Giraffen und imposanten Nashörnern. Aus dem Haus hinaus führt der Weg langsam ansteigend der Savanne entlang bis zu einem riesigen Baobab. Hier führt ein Steg ein Stück weit in die Savanne hinein und versetzt die Besucher so mitten in die Savannenlandschaft. In der Nähe des Baobab befinden sich auch ein kleiner afrikanischer Flugplatz, eine Tourismusschule, eine kleine Bar und ein Picknickplatz. Daneben weiden Dahomeyrinder. Der Besucherweg verläuft weiter der Savanne entlang, an der Haltestelle des Masoala Express und einem festgefahrenen Bus vorbei, zu den Kopjefelsen. Hier gelangen die Besucher zwischen Felsformationen hindurch zu weiteren Tieranlagen, etwa mit Hyänen.

Ziel der Lewa Savanne ist es, bei den Besuchern Freude am Tier zu wecken, sie für die Erhaltung der Artenvielfalt zu sensibilisieren und sie über die Verbindung mit dem Lewa Wildlife Conservancy zu animieren, aktiv zum Schutz bedrohter Tierarten und Lebensräume beizutragen. An verschiedenen Standorten in der Savanne lernen die Besucher dabei nicht nur die Tiere, ihre Lebensräume und deren Bedrohung kennen, sondern sie erfahren auch, welche Rolle ein nachhaltiger Tourismus beim Schutz der Tiere spielen kann.

»Zu Fuss erlebt man die Natur anders, schöner, direkter als beim Fahren mit einem Geländefahrzeug. Und das Erlebte bleibt nachhaltiger.«

Man kann im Nachhinein immer wieder konstatieren: zu Fuss erlebt man die Natur anders, schöner, direkter als beim Fahren mit einem Geländefahrzeug. Und das Erlebte bleibt nachhaltiger.

Dabei geht es nicht um Aufregung, um Sensation – wer nur ein wenig Wander-Erfahrung in der afrikanischen Wildnis hat, weiss: verhält man sich richtig, ruhig, ist die Gefahr geringer als beim Überqueren einer Fahrstrasse bei uns. Und man muss auch wissen: 90 Prozent (ungefähr…) all jener Reiseschilderungen, welche von „Fast-Angriffen“ wilder Tiere berichten, sind das, was wir jetzt (Donald Trumps Team lässt grüssen) Fake News oder Alternative News nennen.