Auf Visite in der Weltpolitik – Nordkorea als Reiseziel

Background

Walter Eggenberger bereiste im April/Mai 2018 zusammen mit einer Reisegruppe Nordkorea.


"Auf Visite in der Weltpolitik –  Nordkorea als Reiseziel" so pflege ich jeweils die Background Reisen bei der Ausschreibung anzukündigen. Und es trifft eigentlich stets zu. Allerdings wohl noch nie zutreffender als für die Reise April / Mai dieses Jahres.

Nordkorea steht schon seit vielen Jahren stets irgendwie im Zentrum eines Konfliktes – bis jetzt waren es  immer verbale Auseinandersetzungen. Und da wird dann mit Drohungen und Beleidigungen nicht gespart. Seit einem Jahr hat die DPRK (Demokratische Volksrepublik Korea) vor allem mit den Raketen- und atomaren Tests, die in unschöner Regelmässigkeit unternommen wurden, die Geduld der Anrainerstaaten und der USA, kräftig herausgefordert. Als Reaktion verschärfte die UNO eine ganze Kaskade von Sanktionen gegen Nordkorea. Die Antwort darauf waren Drohungen, das Festland der Vereinigten Staaten atomar anzugreifen, Guam in Schutt und Asche zu legen und Seoul zu verwüsten und was ähnliche bizarre Gedankenspiele Pyongyangs sein mögen. Dass in Washington neu ebenfalls gerne mit dem verbalen Zweihänder reagiert wird, machte die Gefahr eines Ausbruchs des Konfliktes nicht kleiner.

Kein Wunder hielten sich die Buchungen im Herbst 2017 und jetzt wieder im Frühjahr 2018 in Grenzen, da halfen auch meine Versicherungen, dass wir keinen Ausbruch eines heissen Konfliktes zu befürchten hätten, ich hätte dieses Szenarium schon öfters durchgemacht, nicht viel. Gerade auf diesem Hintergrund sei Nordkorea besonders interessant und eigentlich auch im Staat drin selber sehr friedlich, da man uns die nordkoreanische Sicht mit Überzeugung gerne darlegen würde.

Immerhin, es fanden sich Teilnehmer/innen für je eine Gruppe im Herbst und jetzt wieder im Frühling. Beide müssen ihren Entscheid nicht bereuen; es wurden zwei Reisen, die uns wohl nie mehr aus dem Gedächtnis gehen werden.

Innerhalb von wenigen Tagen änderte sich die Situation komplett. Kim Jong Un verkündete Anfangs April, dass er bereit sei, sein atomares Programm einzustellen und ebenso sei er bereit zu direkten Gesprächen mit Südkorea und den USA. Zur grossen Überraschung signalisierte auch Donald Trump, er sei zu direkten Gesprächen mit dem nordkoreanischen Machthaber, den er noch kurz vorher als «kleinen Raketenmann» abgestempelt hatte, bereit. Südkorea hatte das Terrain bereits anlässlich der Olympischen Spiele im Februar in seinem Land geebnet.

Dass aber dieses Treffen zwischen dem Südkoreanischen Präsidenten Moon Jae und dem Nordkoreanischen Machthaber Kim Jong Un just am gleichen Tag in Panmunjom, wo der Waffenstillstand, abgeschlossen 1953 (!) , überwacht wird, angesetzt wurde, als wir laut Reiseplan ebenfalls dort erwartet wurden, war denn doch fast zu viel des Zufalls.

Nein, am gleichen Tag (27. April) schafften wir es nicht, aber die Nordkoreaner reagierten bewundernswert «cool» und verschoben unsern Besuch um 2 Tage. Für uns ein Erlebnis, den Ort frei zugänglich besichtigen zu können, der nur wenig vorher tatsächlich im Zentrum des Weltinteresses gestanden hatte.

Miterleben konnten wir aber zwei weitere Punkte:

Wir wollten beobachten, wie die nordkoreanische Bevölkerung über das wichtige Treffen Kim – Moon informiert wird und schlugen vor, unser Besuchsprogramm so zu gestalten, dass wir jederzeit nordkoreanisches Fernsehen sehen konnten. «Nicht nötig!» meinte unser Touristenführer,  Informationen zum Treffen gäbe es erst am Tag später. Tatsächlich erfuhren die Nordkoreaner mehr als 24 Std. nachdem das Treffen in Panmunjom vorüber war, was sich dort abgespielt hatte. Als «managed news» würde Donald Trump dies wohl bezeichnen.  Als dann aber die Nachrichten von diesem innerkoreanischen Gipfel um 20 h des folgenden Tages darüber berichteten, war das Interesse riesig gross. Und es war spürbar, dass die Menschen sehr stolz waren, wie ihr junger Führer sich in Panmunjom geschlagen hatte. Stolz und, würde ich behaupten, auch irgendwie hoffnungsfroh, dass es diesmal – immerhin der dritte Anlauf – zu einem Friedensvertrag zwischen Nord und Süd kommen würde. Diese hoffnungsfrohe Stimmung konnten wir nur Tage später auch im südkoreanischen Seoul beobachten, auch wenn dort das Wort «Wiedervereinigung» kaum in den Mund genommen wird.

Zum 1. Mai erwarteten wir Massenveranstaltungen, martialische Reden, die den Führer und den in Nordkorea praktizierten Kommunismus feiern würden – vielleicht sogar eine Militärparade… nichts von alledem! Der 1. Mai in Pyongyang ist  das wohl grösste Volksfest, das ich je miterlebt habe. Die 3 Mio.-Stadt feiert mit einem gewaltigen Pick-Nick. Kaum ein paar Quadratmeter Grünfläche sind da noch frei. Überall wird gebrätelt, pokuliert, gesungen, getanzt und gelacht. Man lädt sich gegenseitig ein und wir Fremdlinge werden immer wieder eingeladen mitzutun und vor allem mitzutrinken! Die Koreaner tun ihrem Ruf, die Italiener Asiens zu sein alle Ehre!


Nordkorea : Eine Visite in die Weltpolitik und gleichzeitig tiefe Einblicke in die Seele eines leider allzu unbekannten Volkes. Kommen Sie mal mit.

Walter Eggenberger