Blog: Antarktis-Leserreise 2017

Background

Mit an Bord: der bekannte Astronaut und Astrophysiker Claude Nicollier, der erfahrene Antarktisreisende Benno Lüthi (Präsident der Antarctic Research Stiftung), der Fotojournalist Manuel Bauer, die Meteorologin Claudia Stocker und Martin Bütikofer (Direktor Verkehrshaus Schweiz). Background Tours Mitgründer, Ruedi Bless, führt die täglichen Talks an Bord. Zusätzlich sorgt ein Lektorenteam von Hapag Lloyd auf dem Schiff für weitere interessante Vorträge. Mischa Niederl, CEO Globetrotter Tours, leitet das Projekt.


 

Dienstag, 21. November 2017 - Der Countdown läuft

Heute fand das Briefing mit den Experten und Reiseleitern statt. Neu konnten wir den Direktor Verkehrshaus Schweiz, Martin Bütikofer als weiteren Experten gewinnen. Wir freuen uns auf das Abenteuer Antarktis und die Abreise am 30. November 2017.

 

 

 

1. Dezember - Frühling in Buenos Aires

Unsere Stadtrundfahrt mit Besuch des Hafens, dem Künstlerviertel Boca und dem pulsierenden Plaza de Mayo begeistert die ganze Background Tours Reisegruppe. Abends kommt auch das Kulinarische nicht zu kurz: ein exzellentes Bife de Lomo und ein feiner Schluck Malbec in einem der zahlreichen Restaurants. Buenos Aires war für uns alle ein erstes Highlight.

 

 

2. Dezember - Ushuaia


Mit unserem Charterflug sind wir nach fast vier Stunden Flug in Ushuaia – am Ende der Welt – wohlbehalten gelandet.
Der Nationalpark Tierra del Fuego hat uns alle mit seiner einmaligen Schönheit schwer beeindruckt. Das Wetter hier in Ushuaia wechselt fast minütlich. Von Sonnenschein über wolkenverhangenen Himmel bis zu Schnee haben wir bei unserem Kurzaufenthalt erlebt. Am späteren Nachmittag ist es dann soweit: wir gehen auf der MS Hanseatic an Bord. Nachdem wir die obligatorische Seenotrettungsübung erfolgreich bestanden haben heisst es „Leinen los“ und das Abenteuer beginnt!

 

 

3. und 4. Dezember - Überfahrt nach Südgeorgien


Unsere Überfahrt von Ushuaia nach Südgeorgien dauert 3 Tage, denn schliesslich haben wir eine Distanz von 1‘800 km mit maximal 15 Knoten (28 km/h) zu bewältigen – man rechne…
Aber Langeweile kann überhaupt nicht aufkommen. Die Tage sind getaktet mit hochspannenden Referaten zu Themen wie „Das Wetter und wie es entsteht“ von Claudia Stocker, „Wale – die Giganten der Meere“ von Linda Rudin, „Die Lehren der Raumfahrt“ von Claude Nicollier und viele mehr. Stets werden wir von Sturmvögeln und Albatrossen begleitet, die See ist bisher verhältnismässig ruhig.

Selbstverständlich darf auch das Captains Dinner mit unserem Kapitän, Axel Engeldrum, keinesfalls fehlen. Wir lassen uns kulinarisch verwöhnen und freuen uns alle auf die bevorstehenden Anlandungen in Südgeorgien.

 

 

5. Dezember - Briefing "Zodiac-Ausfahrten" und Vortrag


Den heutigen Tag verbringen wir mit Vorbereitungen zu unserem langersehnten Besuch auf Südgeorgien. Das eingespielte Team der MS Hanseatic vermittelt uns hilfreiche Informationen zu den Zodiac-Ausfahrten und erläutert die wichtigen Verhaltensregeln. Später hören wir einen Vortrag über den bekannten Polarforscher Sir Ernest Shackleton, dessen Grab wir am kommenden Tag in Grytviken besuchen werden. Einige Glücklich unter uns haben übrigens auch die ersten Wale gesichtet.

 

 

6. Dezember - Südgeorgien


Bei schönstem Wetter erreichen wir am frühen Morgen die Küste von Südgeorgien und geniessen zum ersten Mal den atemberaubenden Ausblick auf das vergletscherte Gebirgspanorama. Wir fahren mit den Zodiacs an den Strand von Fortuna Bay. Unzählige Königspinguine und Pelzrobben erwarten uns – mit Andacht und grossen Augen beobachten wir die faszinierende Tierwelt. Die Mehrzahl der Gäste wandern am Vormittag auf den Spuren von Shackleton von Fortuna Bay nach Stromness. Am Nachmittag besuchen wir die ehemalige Walfangstation von Grytviken mit einem sehr informativen Museum und da heute Samichlaustag ist, gibt es in Grytviken noch eine kleine Überraschung. Unser erster Tag an Land nach 3 Tagen Überfahrt war einfach wunderschön.

 

 

7. und 8. Dezember - Südgeorgien, Expedition pur


Bereits um 5.30 Uhr fahren wir mit den Zodiacs in Salisbury Plain an Land. Hier dürfen wir eine der grössten Königspinguinkolonien Südgeorgiens erleben. Mehrere 10‘000 Pinguine und eine enorm grosse Anzahl an Pelzrobben versüssen uns das frühe Aufstehen. Die Kameras von uns allen klicken ohne Pause – so viele geniale Sujets. Aber auch Momente des Innehaltens und Staunens gehören dazu.
Nach einem ausgiebigen Frühstück geht es weiter in die Possession Bay. Der sehr starke Wind (bis zu Windstärke 8) lässt aber leider kein Einwassern der Zodiacs zu; dieselbe Situation in Jason Harbour – die Sicherheit steht richtigerweise stets ganz oben.
Am Nachmittag trommelt der Kapitän alle Gäste zusammen: da das Wetter nicht besser wird, geht es nun bereits einen Tag früher direkt weiter Richtung Antarktische Halbinsel. Wir haben somit einen zusätzlichen Tag im Eis gewonnen und nehmen unvergesslich schöne Erinnerungen aus Südgeorgien mit.

 

9. Dezember - Stürmische See


Kapitän Engeldrum steht in der Explorer Lounge vor den versammelten Passagieren. Der grossgewachsene Hamburger fährt in der dritten Generation zur See. Er strahlt viel Ruhe und Kompetenz aus. Das braucht er in diesem Moment auch, denn das Wetter wird umschlagen. Ein Sturm mit Windstärke 9 ist unterwegs nach Südgeorgien. Da es am folgenden Tag unmöglich sein wird, mit den Zodiac-Schlauchbooten anzulanden muss Axel - nach Absprache mit der Expeditionsleitung - das Programm ändern. Er teilt uns mit, dass der Aufenthalt in Südgeorgien um einen Tag gekürzt wird. Dafür gibt es auf der antarktischen Halbinsel einen Tag mehr. Auch gut, denke ich mir. Ein geschenkter Tag im Eis tönt wie ein tolles Geschenk. Das sehen wohl die meisten Passagiere so, denn der Kapitän wird mit Applaus verabschiedet. Die sehr gute Stimmung an Bord hat bestimmt auch damit zu tun, dass wir während den zwei Tagen in Südgeorgien riesiges Wetterglück hatten. Wir besuchten zwei grosse Königspinguin-Kolonien mit rund 200´000 Tieren, sahen an den Stränden viele Pelzrobben und Seeelefanten und wir konnten sogar eine zweistündige Wanderung in der Bergwelt Südgeorgiens unternehmen. Sonnenschein und relativ milde Temperaturen inklusive.

 

Doch damit ist es nun definitiv vorbei, der Wind nimmt zu, die Wellen werden immer höher. Dank dem Kapitän, der das Schiff im Moment noch im Windschatten der Insel hält, reicht es noch für ein ziemlich ruhiges Abendessen.

 

Nach dem Essen geht es volle Kraft voraus, doch nicht für lange. Die Wellen bremsen das Schiff. Der Kapitän hatte es mit seinem trockenen Humor schon am Nachmittag über Lautsprecher durchgegeben. Er meinte lakonisch: "Sie haben Expedition gebucht, jetzt haben Sie Expedition!" Die Hanseatic kämpft sich die ganze Nacht durch sieben Meter hohe und steile Wellen. Das Schiff wird meist frontal erwischt, stellt sich auf und wird arg durchgeschüttelt. Jetzt ist die Zeit gekommen, all die mitgenommen Mittel gegen Seekrankheit einzusetzen. Denen einen hilfts, andere verbringen die halbe Nacht im Badezimmer. Und dann gibt es noch die Beneidenswerten, die seelenruhig bis nach Mitternacht an der Bar sitzen - als wäre es eine Sonntagsschifffahrt auf dem Thunersee. Ein Erlebnis ist dieser Tanz auf den Wellen aber alleweil. Und auch wer ein paar Stunden seekrank im Bett lag, wird diese Nacht nie mehr vergessen.

Wie sich am nächsten Morgen herausstellt, sind die Mittel des Schiffsdoktors die hilfreichsten. Nachdem er mir einen kleinen Kleber hinters Ohr gesetzt hat, gehts auch mir wieder blendend. Das Meer wird nun zusehends ruhiger, die Hanseatic kann wieder Gas geben. Noch ein Tag auf See, bevor wir auf Elephant Island, dem letzten Aussenposten vor der antarktischen Halbinsel, anlanden werden. Die Tage auf See, auf dem riesigen, völlig weltabgeschiedenen Südatlantik haben etwas Magisches. Alle an Bord sind dankbar für diese Erfahrung. Es ist immer still auf dem Deck, wenn Passagiere den Albatrossen und Sturmvögeln zusehen, wie sie ohne einen einzigen Flügelschlag dem Schiff hinterher gleiten. Wenn dann wie heute - ein grosser, zwei Kilometer langer und 30 Meter hoher Tafeleisberg am Schiff vorbeizieht oder plötzlich eine Gruppe von vier bis fünf Finnwalen auftaucht, dann könnte man einen lauten Juchzer loslassen. Man lässt es dann aber doch sein und lächelt still und zufrieden in sich hinein.

 

Andy Keller, Chefredaktor Globetrotter-Magazin

 

 

10. Dezember - Elephant Island


Wir erreichen Elephant Island, es könnte ein fremder Planet sein. Von Nebel verhüllt, steigen schroffe Wände aus dem Wasser, das Schwarz ihres Gesteins durchzogen von Adern aus Eis und Schnee.

Wütend, aber ohne jegliche Wirkung, wirft sich Brecher auf Brecher gegen den Koloss. Würdest du hier alleine landen, du könntest rufen, schreien und bitten so lange du willst. Es hört dich keiner, es hilft dir keiner, und die Natur kennt kein Erbarmen. Aber wir sitzen sicher in Zodiacs, die uns an den Felsen vorbei zum Saum eines namenlosen Gletschers bringen, seine frischen Abbruchstellen leuchten kobaltblau. In unserem Rücken wartet derweil die HANSEATIC. Bald werden wir hier mit heissem Tee empfangen, um dann wenig später aus der Geborgenheit der Observation Lounge beobachten zu können, wie Elephant Island gänzlich vom Nebel verschluckt wird - als hätten wir von diesem fremden Planeten nur geträumt.

 

11. Dezember - Vulkaninsel Paulet, Adelie-Pinguin

Im ersten Morgenlicht fährt die HANSEATIC in den Antarctic Sound ein, das Einfallstor zur Antarktis. Bereits vor sechs Uhr bringen uns die Zodiacs an Land, und wir machen die ersten Schritte auf diesem Kontinent der Extreme: Kein Erdteil ist grösser; nirgends ist es kälter, trockener und windiger als hier.
Während wir jeden Millimeter Haut vor dieser Witterung zu schützen versuchen, räkelt sich am Ufer eine Weddellrobbe. Zu recht. Schliesslich beginnt hier in wenigen Tagen der Sommer, alles nur eine Frage des Blickwinkels - oder der Anpassung.

Bald nimmt die HANSEATIC wieder Fahrt auf, ihren Weg zwischen Skulpturen aus Eis suchend. Ein gefrorener Pudel schwimmt neben dem umgekippten König aus einem verlorenen Schachspiel. Wir erreichen die kleine Vulkaninsel Paulet und besichtigen, inmitten zehntausender brütender Adelie-Pinguine, die Überreste einer kleinen Steinhütte. Nachdem er sein Schiff verloren hatte, musste der Polarforscher Nordenskjöld 1903 zusammen mit seiner Mannschaft hier überwintern. Wer genau hinhört, glaubt die Stimmen der Männer zu hören - als hätten die Steine ihr Zweifeln und Hoffen für immer gespeichert.

 


Dienstag, 12. Dezember 2017 - Half Moon Island und Whalers Bay


Der Wecker klingelt um 05.55 Uhr. Zwei Ausbootungen mit den Zodiacs sind für heute geplant. Die Ziele heissen: Half Moon Island und Whalers Bay - was für vielversprechende Namen.


Nach einem feinen Frühstück im Bistro ziehen wir unsere wetterfesten Kleider an, die uns Schutz vor dem Spritzwasser bei den Bootsfahrten und vor Wind und Wetter an Land bieten. Der kräftige Aussenbordmotor an den Zodiacs bringt jeweils 8 Personen zügig an Land. Dort beginnt das Staunen. Schneebedeckte Hänge und fantastische Felsformationen mit einer Kolonie von Zügelpinguinen, die in eindrücklicher Ruhe ihren Nachwuchs ausbrüten. Im Hintergrund die mächtigen vergletscherten Bergflanken von Livingston Island, die bis ins Meer hinunter ragen, einfach atemberaubend schön.

Auf der anschliessend gemütlichen Wanderung der Küste entlang vertieften wir bei herrlichem Sonnenschein das eindrückliche Inselerlebnis beim Fotografieren und guten Gesprächen. Sportlich bringen uns die antarktiserprobten Zodiac-Fahrer zurück auf unser „Mutterschiffe“, die MS Hanseatic, wo das hervorragende Küchenteam bereits eine würzige Suppe zum Aufwärmen und als Mittagessen einen ganzen Lachs in Salzkruste an Weissweinsauce vorbereitet hat.

Kurz nach dem Mittag erleben wir einen weiteren nautischen Höhepunkt. Der Kapitän steuert das 123 Meter lange Expeditionsschiff bei rauer See sicher durch eine enge Öffnung eines noch aktiven Vulkans. Deception Island liegt wie ein riesiges Hufeisen vor uns. Der Blick richtet sich auf die Ruinen einer 1906 errichteten Walfangstation. Zügig bringen uns die Schlauchboote wieder an Land. Dem Strand entlang spazieren wir bis zu einem zerfallenen Flugzeug-Hangar und erklimmen anschliessend den windigen Aussichtspunkt Ronald Hill.

17 Gäste und 14 Crew-Mitglieder nutzen die einmalige Gelegenheit in der Antarktis zu baden. Die heissen unterirdischen Quellen des Vulkans vermischen sich mit dem eisig kalten Meerwasser und ergeben so eine Badewassertemperatur von rund 5 Grad! Ein schönes Diplom erinnert die antarktischen Badegäste noch lange an diesen aussergewöhnlichen und kalten „Kurzbadeplausch“.

Zurück an Bord geniessen wir ein feines Nachtessen begleitet von einem traumhaften Sonnenuntergang. Spannender und eindrücklicher könnte ein Tag in der Antarktis nicht verlaufen.

Martin Bütikofer, Direktor Verkehrshaus der Schweiz

 

13. Dezember - Danco Island, Paradise Bay und Lemaire-Kanal 


Claudia Stockers Wettervorhersage hat uns nicht zu viel versprochen:
Bei strahlend blauem Himmel erreichen wir die fast 2 km lange Danco Island im südlichen Bereich des Errera Kanals. Wunderschön spiegelt sich die vergletscherte Berglandschaft im von Eisbrocken und treibenden Eisbergen gesäumten Wasser. Vorbei an brütenden Eselspinguinen stapfen wir durch den Schnee auf einen vorgelagerten Gipfel, wo wir mit einer atemberaubenden Aussicht belohnt werden.

Unser nächstes Ziel – Paradise Bay – macht ihrem Namen alle Ehre. Am Ende unserer Zodiactour in diesem wirklich paradieshaft schönen Naturhafen werden wir von der Hanseatic Crew, deren Zodiac mit Tannenbaum geschmückt ist , mit einem Becher heißer Schokolade oder Tee-Rum und Weihnachtsmusik überrascht.   

Der krönende Abschluss dieses außergewöhnlichen Tages ist die Einfahrt in den Lemaire-Kanal, welcher als einer der landschaftlich schönsten Gebiete der ganzen Antarktis gilt. Die Passage des 13 km langen und an seiner schmalsten Stelle nur 520 Meter breiten Kanals, wird heute jedoch von dickem Packeis versperrt, weshalb wir umdrehen und unseren Weg mit der Hanseatic in entgegengesetzter Richtung fortsetzen.  

Spätestens seit heute sind sich die meisten Gäste einig:  Diese Antarktis-Reise ist tatsächlich die Reise ihres Lebens.

 

14. Dezember - Port Lockroy


Auf Port Lockroy stehen die Überreste einer ehemaligen britischen Forschungsstation, die sich atmosphärischen Messungen widmete. Heute leben auf der kalten und verlassenen Insel noch vier Frauen für vier Monate pro Jahr. Das liebevoll gestaltete Museum lässt einen die Lebensart in den 50er und 60er Jahre deutlich nachfühlen. Eine kalte, einsame und unwirtliche Landschaft hat ihre Spuren nicht nur an der Hütte hinterlassen. Verfleckte Rezeptbücher berichten, wie man Pinguine zubereitet, ohne selber im ätzenden Gestank unterzugehen. Spuren von versteckten Talenten erkennt man im Schlafzimmer: Mangels weiblicher Begleitung pinselte der Stationsmechaniker die Aktbilder von bekannten Hollywoodschauspielerinnen an die Wände.

Zum Mittagessen verkündete Benno Lüthi beinahe euphorisch: „Heute Nachmittag sehen wir die letzten Pinguine unserer Reise". So schnell kann eine zweiwöchige Antarktisexpedition vergehen. Neko Harbour sollte unsere letzte Anlandung vor Ushuaia sein. Doch die Fahrt dahin mussten wir uns verdienen, etliche Eisberge mussten umschifft werden und während der Zodiacfahrt zum Strand sorgten Wind und Wellen für eine gründliche Salzwasserdusche. Buckelwale, Eselspinguine und ein atemberaubender Blick auf die gewaltigen Gletscher und Gebirgszüge – Neko Harbour zeigte uns noch einmal eindrücklich, weshalb wir die lange Reise auf uns genommen haben.

 

Claudia Stocker, SRF Meteo

 

 

15. und 16. Dezember - Alles wird gut

 

Der letzte Landgang bei Neko Harbour liegt hinter uns. Die Eselspinguine marschierten mit vollen Bäuchen den steilen Schneehang hoch zu ihrer Kolonie. Die Aussicht von dort oben auf die Bucht mit den Gletschern und Eisbergen war einmal mehr atemberaubend.

 

Nun sitze ich am Fenster meiner Kabine und blicke auf die weissen Gipfel, Gletscher und Eisberge, die draussen vorbeiziehen. Noch in dieser Nacht werden wir auf dem offenen Meer der Drake Passage sein und Kurs auf Ushuaia nehmen.

 

Wenn ich mir in diesem ruhigen Moment die Höhepunkte der Expedition vor Augen führe, sehe ich zuerst die monumentalen Berg- und Eislandschaften, die Buchten mit Gletschern, die bis ans Wasser reichen und die Wasserstrassen mit Eisbergen in allen erdenklichen Formen und Grössen - vom riesigen Tafeleisberg bis zur kleinen Eisskulptur als kunstvolle Spielerei der Natur. Klar, dann erscheinen auch schnell Bilder der einzigartigen Tierwelt vor meinem inneren Auge. Allen voran die Pinguine, diesen freundlichen, liebenswerten Wunderwesen, die aus einer anderen Welt zu stammen scheinen und die man sofort ins Herz schliesst. Unvergesslich, wie sie auf ihre unnachahmliche Art durch die Gegend wackeln, als hätten sie alle Zeit der Welt, dabei sind sie immer zielstrebig und pflichtbewusst unterwegs - dem Meer oder der Kolonie entgegen.

 

Und dann die Elemente der Natur! Alles haben wir erlebt: Wind, viel Wind, sehr viel Wind, Regen, Schnee, Sonne, Nebel, Kälte - und selbst für den nächtlichen Sturm ist man im Nachhinein dankbar, denn ungezähmte Natur lässt sich in unseren Breiten, in den geheizten und windgeschützten Wohnungen, nur selten erleben. Auch Erinnerungen an die eigene Ergriffenheit über die Kraft der wilden, ungezähmten Natur bleiben bei mir hängen. Und das Staunen darüber, wie verbunden man sich in solchen Momenten mit unserem Planeten, dem Leben und sich selbst fühlt.

 

Und dann gibt es noch viele andere Erinnerungen, die vor allem mit den Menschen, denen man hier begegnet ist, zu tun haben. Neben den zahlreichen Kontakten und guten Gesprächen mit Mitreisenden, dem Schiffspersonal und den Experten gab es für mich kleine Highlights, die unvergessen bleiben: Zum Beispiel die Durchsagen über den Schiffslautsprecher von Kapitän Axel Engeldrum. "Liebe Gäste, hier spricht der Kapitän..." Dann folgte ein knapper Lagebericht - ruhig, klar, verlässlich - mit einem Schuss hanseatischen Humor. Alle wussten, dieser Mann wird uns gut und sicher zurück nach Ushuaia bringen.

 

Auch jedes Mal eine Freude: Die Borddurchsagen unserer Kreuzfahrtdirektorin Ulrike Schleifenbaum. Mit samtweicher Stimme begrüsste sie nach der Ankunft an einem neuen Ort - oft sehr früh am Morgen - die Passagiere und gab den Tagesablauf durch. "Der Anker ist gefallen, wir haben 80 Meter Wasser unter Kiel..." Ich fragte mich jeweils, wie viel Wasser ich wohl unter Kiel habe... Am letzten Morgen auf der antarktischen Halbinsel flüsterte sie - der magischen Stimmung auf dem Wasser angepasst - ihre Begrüssung ins Mikrofon.

 

Von ganz anderer Art aber auch nachhaltig in Erinnerung: Die "Eiserne Lady" Barbara Nithack. Sie organisierte und kontrollierte den ordnungsgemässen Ablauf bei den Einbootungen in die Zodiacs. Und wie! Alles korrekt und reibungslos, Einerkolonne, jede Gruppe schön der Reihe nach, kein Vordrängen. Und sie doch immer mit einem Lächeln - aber eines, das keinen Widerspruch duldete.

 

Der Humor der Geologin Heike Fries, aber auch ihre Fachkompetenz, waren eine Freude. Mit Herz und Seele verteidigte sie verbal ihre geliebten Steine gegen das "Federvieh", das mit ihren Hinterlassenschaften die Millionen Jahre alte Geschichte bekleckerte.

 

Unvergessen auch der Moment, als Claude Nicollier nach dem Aussteigen aus den Schlauchbooten, den Leuten die Hand reichte und über einen Schneewall half. Als würde er einen zu einem Weltraumspaziergang einladen.

 

Und immer wieder eindrücklich: Expeditionsleiter Arne Kertelhein und Benno Lüthi, die bei den Anlandungen mit den Zociacs die Leute in Empfang nahmen und auch bei starkem Seegang mit viel Schalk die Passagiere Willkommen hiessen und die zur Verfügung stehende Zeit und die Möglichkeiten des Landgangs - auf einer Schiefertafel fein säuberlich notiert - durchgaben.

 

Und jetzt also mit vielen Erinnerungen im Gepäck Kurs auf Ushuaia. Einige Passagiere haben mir gesagt, dass sie beim Gedanken ans Ende der Reise und den Wiedereinstieg ins "normale" Leben ein mulmiges Gefühl hätten. Wie lange hält das Glücksgefühl an? Kann ich dem hektischen Alltag trotzen? Ich schaue der Heimkehr gelassen entgegen, denn ich weiss wie der Artistengriff geht und habe den jungen Seeelefanten in die Augen geschaut.

 

Andy Keller, Chefredaktor Globetrotter-Magazin

 

 

Die Bilder der ersten drei Gewinner des Gäste-Fotowettbewerbs

1. Platz 

 

2. Platz


3. Platz

 


17. – 20. Dezember 2017 - Zurück in Ushuaia und Rückflug in die Schweiz


Der Abschlussabend mit dem Shanty Chor der MS Hanseatic war der Knaller, alle stiessen nochmals auf die Reise des Lebens an. Zurück in Ushuaia hat uns sogar noch ein Regenbogen empfangen. Nachdem wir mit unserem Charterflug wieder in Buenos Aires angekommen sind und nochmals die Stadt für eine Nacht geniessen wollten, wurde daraus ganz spontan sogar eine zweite Nacht: Generalstreik in Buenos Aires! Auch davon liessen wir uns nicht aus der Ruhe bringen und sind schlussendlich alle wieder wohlbehalten (24 Stunden später als geplant) in der Schweiz, rechtzeitig vor Weihnachten, gelandet.

Ein riesengrosses Dankeschön an die Hanseatic-Crew, alle Lektoren und Experten, speziell an Manuel Bauer für die top Bilder sowie die fantastische Reisegruppe – wir würden bereits morgen wieder mit euch allen die nächste Expedition starten…
Ihr Background Tours Team

Unsere nächste grosse Expedition: www.background.ch/antarktis2020
 

 

 

 

Fotos: © Manuel Bauer


Möchten auch Sie die Antarktis bereisen? Hier finden Sie alle Informationen zu unserer nächsten Antarktis-Expedition vom 1. - 21. Januar 2020.