Erwin Dettling

Zwei Jahrzehntelang war ich als Delegierter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) oder als Auslandskorrespondent in Krisengebieten auf verschiedenen Kontinenten für Radiostationen, Zeitungen und Zeitschriften unterwegs. Meistens geht es an den Krisenorten der Welt und auf den Baustellen der Informationsbeschaffung drunter und drüber. Journalisten werden mit der Idee losgeschickt, Zeitungslesern, Radiohörern und TV-Zuschauern Augen und Ohren zu leihen, so dass wir Medienkonsumenten daheim die Welt im Aufruhr besser verstehen. Auslandskorrespondenten haben einen guten Grund, in der Fremde und auf Reisen zu sein; sie haben eine Aufgabe, manchmal eine Mission und meistens einen Auftrag; Journalisten sind Reisende. Auslandskorrespondenten haben fast immer eine plausible Antwort auf die Frage, warum man diese oder jene Destination anfliegt.

Die Frage, ob ein Regime politisch korrekt, eine Regierung demokratisch oder autoritär ist und die Menschenrechte achtet, scheint bedeutungslos: Man ist schliesslich im Dienst, versucht unparteiisch zu sein und Zustände und Vorgänge vor Ort aus unterschiedlichen Perspektiven zu beleuchten. Diese Erfahrung nutze ich als Experte für Lateinamerika und für die karibischen Staaten auch als Reisebegleiter für Gäste von Background Tours. Sie sollen Land und Leute nicht nur als Postkarte erleben, sondern als Reisende unterwegs sein, die vor Ort Augen und Ohren für Widersprüche, Poesie, Hintergrund und Exotik offen haben.  Reisen ist im Gegensatz zum Tourismus nie langweilig; Reisen ist herausfordernd, manchmal anstrengend, am Schluss aber bereichernd. Garantiert.